Kafka und die Sendersortierung

Zur Abwechslung heute mal was ganz anderes.

Soccie und TV

Bei Samsung ist es schlimm, bei Phillips, angeblich, eine Katastrophe. Bei meinem neuen LG Fernseher der Reihe 5406 ist es gleich mal gar nicht möglich, die Senderreihenfolge zu sortieren.

Hä? – Genau. Die laut Hilfe dafür vorgesehene Funktion gibt es in meinem Menü schlichtweg nicht und weder in der Hilfe, noch auf der LG Seite findet sich ein Hinweis, woran das liegen mag.

Sendersortierung ermöglichen

Die Crux liegt hier im Setup bei der ersten Inbetriebnahme. Klickt man sich dabei unbedarft durch die unschuldig anmutenden, in Wahrheit aber so hinterhältig wie bescheuerten Default Einstellungen, legt man sich nebenbei auf eine fixe Senderzuordnung fest, die eine nachträgliche Sortierung unmöglich macht. In diesem Fall hilft nur noch ein Rücksetzen auf die Werkseinstellungen um das Setup erneut durchzuspielen.

Wichtig sind hierbei folgende Schritte:

  1. Bei der Auswahl Einstellungstyp statt „Astra“ auf „Voll „stellen.
  2. Bei der anschließenden Abfrage des Serviceanbieters (Auswahl „Astra“, „Sky“ oder „Kein“) „Kein“ anwählen.
  3. Schließlich auf Blindsuche gehen und durchlaufen lassen.

In der Regel probiere ich aber erst mal einige Zeit herum, bevor ich anfange, die einschlägigen Foren zu durchforsten. Bei Unterhaltungselektronik hat es sich bewährt, erstmal die Firmware auf den neusten Stand zu bringen, aber da laufe ich gleich mal gegen die nächste Wand: Beschrieben ist nur die Aktualisierung via Satellit, und die findet nichts. Wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht auf der LG Seite eine Firmware mit neuerer Versionsnummer zum Download angeboten würde; Allein, wie das Update dann auf den Fernseher kommt, ist wieder nirgens erklärt.

Firmwareupdate über USB

Offenbar wird nicht jede Version auch per Satellit übertragen, zumindest nicht sofort. Die hier erhältliche Version für den LG5604 z.B. war nur per Download verfügbar. Um sie auf dem Gerät zu installieren sind folgende Schritte nötig:

  1. einen USB Stick auf FAT 32 formatierten, dort drauf
  2. einen Ordner mit dem Namen „LG_DTV“ anlegen. Schließlich
  3. den Inhalt des ZIP Archivs, das als Firmwaredownload auf der LG Seite angeboten wird, in den Ordner kopieren.

Die Installation läuft automatisch an, wenn der Stick in den Fernseher gesteckt wird.

Hat man all dies überwunden, findet man sich einer abendfüllenden, trostlosen Ödnis aus Klicken-Tippen-Klicken wieder, bis man in einem Meer aus 2000+ Sendern seine Favoriten auf die ersten Plätze bugsiert hat. Der Spaß blüht einem dann gleich nochmal, wenn man den Sendersuchlauf nach einiger Zeit wiederholt, um z.B. neue Programme zu suchen, denn dabei kann es passieren, dass die Senderliste zurückgesetzt wird.

USB Export der Senderliste

Die Senderliste kann zusammen mit den TV Einstellungen auf einen USB Stick exportiert und von dort zurückgeladen werden. Neben der Backupfunktion lässt sich die exportierte Liste zudem komfortabel am PC bearbeiten. Die Exportfunktion steht nur im geheimnisvoll anmutenden Hotelmodus zur Verfügung, der – natürlich – undokumentiert ist. In den aktuellen Modellen verfährt man so:

  1. In den Fernseher einen Fat32formatierten USB Stick einstecken
  2. die Settings Taste solange gedrückt halten, bis die Anzeige wieder verschwindet, dann
  3. schnell den Code 1155 eingeben und
  4. mit OK bestätigen.
  5. Im nun angezeigten „Hotel“ Menü auf USB-Cloning gehen und
  6. die Funktion send to USB auswählen.
  7. Die kryptischen Dateinamen einfach akzeptieren.
  8. Zum Zurückspielen der Liste das Verfahren wiederholen und „receive from USB“ auswählen.

    Für die Bearbeitung am PC benötigt man zudem einen sogenannten „Kanal Editor“. Die Software Chansortist kostenlos und funktioniert gut, setzt aber .net 4.0 voraus, sodass ggf. ein weiterer Download- und Installationsschritt notwendig ist. Auf der Chansort Seite gibt es zudem Anleitungen für den USB Export auf älteren LG Modellen.

Im Ernst, wie können Menschen, womöglich Ingenieure, mit einem Funken Anstand im Leib etwas derart unbrauchbares produzieren? Ich vermute ja, dass das Ganze in voller Absicht geschieht, um den Komfortabstand zu teureren Geräten künstlich zu erhöhen. Mit der Folge, dass irgendwo in einem fensterlosen Labor eines Schwellenlandes Entwickler dazu gezwungen werden, bei vollem Bewusstsein schlechte Software zu schreiben… und direkt nebenan sitzen dann wahrscheinlich auch die Designer von PVC Belägen und geometrischen Teppichmustern und gehen aus demselben Grund ihrer freudlosen Beschäftigung nach.

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